Günstiger HDR-Monitor für Konsole und TV unter 200 Euro?

In einem vorherigen Beitrag haben wir euch einige HDR-Bildschirme vorgestellt. Auch eine feine Erklärung, worum es sich beim neuen Signal überhaupt handelt – sowie auch die Vorteile haben wir dort erläutert. Zwar haben wir für euch einige Monitore und Fernseher in HDR für eure Spielekonsolen (Xbox One (S), Playstation 4 (Pro)) vorgestellt und in der Tat ist die Liste noch Top-Aktuell. Doch für 2018 sind einige neue Monitore hinzugekommen, die auf dem Markt einen sehr guten Eindruck machen.

HDR als inflationärer Begriff

Ebenso haben wir ausdrücklich davor gewarnt, dass die Bezeichnung “HDR” gerne irreführend verwendet wird. Als “HDR” werden oft gerne Monitore bezeichnet, die gar keine echte High Dynamic Range in dem Sinne wiedergeben können. Zwar können sie dieses Signal empfangen und verarbeiten – ob der Monitor bzw. Fernseher dies aber auch wiedergibt, ist ein anderes Thema.

HDR als Voraussetzung – oft Hardwareseitig

Um HDR wiedergeben zu können, muss der Fernseher Ordentliche Leistung anbieten können. Einen erweiterten Farbraum sowie mehrere Abstufungen der Helligkeit und der Schwarz-Töne. Eine Helligkeitswiedergabe von bis zu 1000nits bzw. über diesem Wert, sind bei HDR-Monitoren nicht nur üblich, sondern auch Voraussetzung, um tatsächlich als vollwertiger Monitor zu gelten, welcher dieses Signal auch tatsächlich wiedergeben kann.

Ex-Kurs: Was sind nits? Es handelt sich hierbei konkret um die Darstellung der Helligkeit, auch “candela pro m² (cd/m²)“. Die meisten “normalen” Geräte bzw. Formate kommen mit gerade mal 100 bis 200 nits. Das entspricht einer gewöhnlichen Beleuchtung eines kleinen Lämpchens. Jedoch sind hier nur bedingt mehrere Helligkeitsabstufungen möglich. Handelt es sich bei einem TV um ein HDR-Gerät mit einem hohen drei-stelligen Wert oder gar bis zu 1000nits, kann nahezu jedes einzelne Detail im Bild perfekt ausgeleuchtet und dargestellt werden. In Kombination mit dem erweiterten Farbraum wird dem Bild eine komplett andere Dimension an Schärfe und Detailreichtum verliehen. Dies schließt somit auch das Schwarzbild mit ein: Es können so viele Abstufungen dargestellt werden, dass auch beim dunklen Bild jedes Detail zu erkennen ist.

Dies ist allerdings nicht die einzige Voraussetzung. Für die erweiterten Farbraumwiedergabe, muss der Monitor auch über die entsprechenden Panels verfügen. Es wird zwischen einem 8- bis 12Bit-Panel unterschieden – Tatsächlich fängt die eigentliche HDR-Wiedergabe mit einem 10Bit-Panel an. Dies muss Hardwareseitig gelöst sein, und kann per Software nicht “modifiziert” werden. Zur Anschauung: Ein Opel Corsa kann schwer die Leistung eines Propellerflugzeuges erreichen. Nun die Frage: Warum gibt es dann so viele “HDR-Monitore”, die eigentlich gar keine sind? Die Frage lässt sich mit dem selben Beispiel erklären: Unseren kleinen Opel Corsa können wir so umrüsten, dass er sich wie ein Propellerflugzeug benimmt!

Im Bild: Normale Geräte mit SDR- (Standard) und HDR-Qualität – man beachte die Angabe cd/m²:

HDR8, HDR10, HDRsuper, HDRpro

Egal nach welchen Monitor oder Fernseher ihr gerade Ausschau haltet: Denkt daran, dass sich bei “echten” HDR-Geräten die Werte weit aufwärts im vierstelligen Bereich befindet. Ein HDR-Fernseher bzw. HDR-Monitor im dreistelligen Bereich, wenn nicht sogar für unter 200 Euro besitzt immer bestimmte Abstriche. Außerdem wie schon erwähnt: Es reicht als HDR-Monitor deklariert zu werden, wenn HDR-Signale verarbeitet werden können! Besonders bei vielen diversen HDR-Zusätzen wie “PRO” oder “SUPER” muss man besonders aufpassen.

Folgende Fragen müssen im vornherein geklärt werden:

  1. Wieviel Budget steht mir für den Kauf eines Fernsehgeräts bzw. Monitor zur Verfügung?
  2. Benötige ich tatsächlich ein HDR-Gerät?
  3. Um was für ein Panel (8Bit, 10Bit-simuliert, 10Bit, 12Bit) handelt es sich?
  4. Wieviel nits (echte HDR: bis zu 1000nits oder über 1000nits) erreicht das Gerät?
  5. Welchen Standard besitzt die Farbraumwiedergabe? Standard für volles HDR: DCI-P3
  6. Selbstverständlich aber dennoch erwähnenswert: Verbindet ihr ein Gerät mit eurem TV/Monitor über HDMI, sollte er über einen HDMI2.0a-Anschluss verfügen. Für gewöhnlich trifft dies auf ausnahmslos alle Monitore zu. Mittlerweile wurde bereits HDMI2.1 angekündigt.

Je mehr nits ein Bildschirm erreicht, desto mehr Helligkeitsabstufungen kann das Bild erreichen. Was wir nun wissen: Um ein echtes HDR-Bild wiedergeben zu lassen, benötigen wir hardwareseitig ein TV-Gerät mit einem echten 10Bit-Panel. Schauen wir uns allerdings verschiedene TV-Geräte an, finden wir oft Geräte mit lediglich nur einem 8Bit-Panel. Die Angabe von Nits ist manchmal bei einigen Anbieter doch wesentlich mehr versteckt, so dass wir tiefer graben müssen (oder in die zur Verfügung stehende Betriebsanleitung schauen müssen).

Doch sind Bildschirme mit 8Bit-Panel wirklich so schlecht? Handelt es sich hierbei um eine Marketing-Strategie, um den Unwissenden Käufer mit “HDR” zu faszinieren?

Nicht HDR-Fernseher als HDR-Fernseher

Fakt ist: Wirbt ein Fernseher bzw. Monitor mit HDR-Fähigkeiten, kann und muss er definitiv diese Signale empfangen können. Ob das Signal nun von einem Fire-TV, Apple-TV, Xbox One S bzw. Playstation 4 Pro kommt, ist irrelevant. Besonders Spielekonsolen empfangen und erkennen automatisch (in der Regel), dass sich bei dem verwendeten TV-Gerät um ein entsprechendes Modell handelt. Nicht selten sind allerdings einige Handgriffe am Fernseher oder an der Spielekonsole selbst notwendig, falls die Erkennung doch nicht klappt (oder, wie wir es persönlich bei einigen TV-Geräten schon erlebt haben – die Signalwiedergabe werkseitig ausgeschaltet ist).

Doch es wäre allerdings ziemlich überzogen zu behaupten, dass alle Geräte nur “Fake-Geräte” sind und die Kunden betrügen. Beschäftigt man sich mit dem neuen Standard, könnte man das tatsächlich auf den ersten Blick meinen. Doch viele Geräte bieten tatsächlich eine geringfügig erweiterte Nits- Angabe, was bei Standard-Geräten nicht vorhanden ist. Auch günstige Geräten können vom neuen Signal oft profitieren, wenn ihre Hardware tatsächlich in der Lage ist, trotz 8Bit-Panel zumindest einen klaren Unterschied zwischen einem Nicht-HDR-Gerät ersichtlich machen zu lassen.

HDR-Monitor für unter 200 Euro

Ein Beispiel, das wir gerne näher erläutern und ins Detail gehen möchten, ist der neueste BenQ EW277HDR-Monitor für unter 200 Euro. Dass tatsächlich Monitore existieren, die dieses Signal überhaupt empfangen und verarbeiten können in dieser Preisklasse, hat uns selbst überrascht.

BenQ EW277HDR

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Fakt ist, dass sich bei dem oben genannten Monitor in 27 Zoll definitiv HDR-Signale verarbeiten lassen. Mit einer FullHD-Auflösung erlangt sie dennoch eine gewisse Beliebtheit. Welche technischen Spezifikationen sind uns bekannt? Laut Hersteller erreicht das Gerät folgende Daten:

  • Farbraumwiedergabe 93% der für den Standard-vorgesehene Mindestangabe.
  • ANSI-LUMEN-Angabe bei 300
  • Full-HD-Auflösung
  • AMVA+-Panel

Nun gehen wir auf jede einzelne Angabe genauer ein. Die Angabe AMVA+-Panel ist für uns an dieser Stelle irrelevant. Nur zur kurzen Erläuterung: Es handelt sich hierbei um eine Weiterentwicklung eines Standard und zeichnet sich aus, durch eine Ordentliche Bildwiedergabe. Allerdings besitzen diese von Grund auf eine etwas höhere Reaktionszeit. Mehr müssen wir an diese Stelle nicht wissen.

Farbraumwiedergabe 93 %: Genau genommen deckt der Monitor insgesamt 16,7 Mio Farben ab. Zum Vergleich: Bei einem 10Bit-Panel und knapp 100% Farbraumabdeckung werden bereits von über 1 Milliarde Farben gesprochen. Je nach Technik sogar auch im zweistelligen Bereich. Dies sollte man im Hinterkopf behalten, was ein 10- oder 12Bit-Panel tatsächlich zustande bringt. Um welches Panel es sich hierbei handelt, ist leider nicht direkt ersichtlich. Aber kein Problem für uns: Ein Online-Handbuch ist schnell gefunden und gibt an: Es handelt sich hierbei um einen 8Bit-Panel. Siehe Bild (unten bzw. link). Laut dem Benutzerhandbuch selbst unterstützt der Monitor ebenfalls 10Bit-Signale (SMTP2084).

Datenblatt BenQ EW277HDR

ANSI-LUMEN Angabe: Insgesamt bietet der Monitor eine nits-Angabe von 400. Keinesfalls trifft sie also die Anforderungen von 1000nits, doch allerdings deutlich mehr als ein herkömliches Gerät erreichen würde. So sind hier wesentlich höhere Helligkeitsabstufungen zu erreichen. Wenngleich der Monitor also auch HDR10-Signale empfängt und verarbeiten kann, behilft sich dieser nur mit diversen Tricks, ein entsprechendes Bild wiederzugeben. Zum Teil klappt es auch – investiert man allerdings 200 bis 300 Euro mehr in alternative BenQ-Modelle, erreicht man ein deutlich besseres Ergebnis.

Fazit – Lohnt sich ein günstiges HDR-Monitor?

Nicht jeder besitzt das Geld, um sich einen 1000nits, 4k Fernseher mit 10Bit-Panel und höchster Farbraumwiedergabe (DCI-P3-Standard) zu leisten. Oft reicht schon ein Fernsehgerät, das einem 10Bit-Panel nahe kommt – wenn das Geld nicht ausreichen sollte. Weder möchten wir Geräte gut reden, die so einen Standard gar nicht erreichen, noch diese schlecht machen, gerade weil sie den eigentlichen Anforderungen nicht genügen. Doch als wachsamer Kunde sollte man sich von den schönen Kennzeichnungen jegliche Art nicht beeindrucken lassen und die technischen Spezifikationen genauer unter die Lupe nehmen. Auch als nicht-technisch-versierter Kunde sind es nur Kleinigkeiten (siehe oben Auflistung Punkt 3, 4 und 5), auf die man achten muss.

Der oben genannte Monitor reicht für Sparfüchse mit einer Spielekonsole und als Zweitgerät beispielsweise vollkommen aus. Es kommt mit dem aktuellsten Signal problemlos zurecht. Auch sieht das Bild deutlich besser aus als bei allen anderen herkömmlichen Geräten. Dennoch empfehlen wir, etwas Geld anzusparen und zu einer vollwertigen Alternative zu greifen. Investitionen in ein neues TV-Gerät gehört oft geplant mit dem entsprechenden Budget. Nicht jeder kauft sich ein TV-Gerät alle drei Jahre. Es muss lange funktionieren können – hoffentlich auch für die nächsten 10 Jahre.

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